Eventfotografie – Bocklos im Blitzlicht

Eines von nicht so vielen Dingen, die ich an den Chaos Computer Club-Veranstaltungen als sehr angenehm empfinde: Areas, in denen nicht fotografiert werden darf. Die wenigsten Veranstaltenden kümmern sich darum, oftmals gibt es offizielle Eventfotograf_innen und für jede Veranstaltung einen Hashtag, unter dem sowieso alle von allen Fotos veröffentlichen.

Das Eventformat „Talk & Play“ klingt total spannend – Gequatsche über Spiele für alle – also habe ich mir Berichte von der letzten Veranstaltung angeguckt, um zu sehen, ob ich vielleicht beim nächstem Mal hingehe. Gesehen habe ich, dass das Publikum aus jedem erdenklichen Winkel abfotografiert wurde und auch Bilder von Leuten veröffentlicht werden, die eindeutige Abwehrbewegungen machen. Damit hat sich die Überlegung erledigt. Mir fehlt für diese Praxis jedes Verständnis und trotzdem finde ich sie auf fast jeder irgendwie nerdigen und/oder linken Veranstaltung.

Es gibt viele Gründe, wieso Menschen sich bedeckt darüber halten, mit wem sie gerade wo sind, ihre Fotos nicht im Internet oder bei Behörden, auf Krautchan oder Naziseiten wiederfinden wollen. Und es gibt viele Möglichkeiten, den Flair eines Events festzuhalten – bocklose Gesichter und Panoramas mit dem gesamten Publikum schaffen für viele eine unsichere Atmosphäre, sehen nicht mal schön aus und führen im schlimmsten Fall dazu, dass Leute lieber zuhause bleiben.

Wenn unbedingt fotografiert werden muss, sollte das im Vorfeld kommuniziert werden. Es muss Möglichkeiten geben, dem zu „entkommen“, etwa durch „No Photo“-Stickers. Diese bergen wiederum die Gefahr von Arschlöchern, die erst recht drauf halten. Vielleicht könnte sich etablieren, nur die Leute zu knipsen, die sich bewusst in den Fokus stellen – Speaker_innen oder Panels – und ansonsten ein paar stimmungsvolle Fotos der sicherlich extrem coolen Location, der Getränkeauswahl, der witzigen Folie oder Schuhen zu machen. Und was ist das eigentlich für ein cooles Brettspiel da im Hintergrund?

Béchamelsauce – Das Textadventure

Es gibt ein Béchamelsaucen-Textadventure, das wirklich alle Gefühle bündelt, die man bei den ersten 20 Béchamel-Versuchen so haben kann.

A short twine about the trials and tribulations of making a white sauce.

Bildschirmfoto 2016-02-17 um 23.30.50

Maßregeln wie im Bilderbuch

Der Flüchtling an sich hat bekanntermaßen noch niemals ein Schwimmbad gesehen und wenn, dann will er dort bloß reine deutsche Frauen angrabschen! Folgerichtig „verbieten“ bundesweit Schwimmbäder den Aufenthalt für Flüchtlinge oder fordern, wie in Österreich, gar „Begleitpersonen“. Blöderweise hat sich herumgesprochen, dass solche Praxen irgendwie gar nicht so richtig legal sind (Stichwort: AGG). Mist.

Immerhin darf in Bilderbuch-Manier gemaßregelt werden, auch die Berliner Bäder sind nun mit dabei und hängen in 35 Schwimmbädern Comic-Regeln aus. Wer erst kürzlich in einer Nusschale, zum Beispiel über das Mittelmeer geflohen ist, freut sich sicherlich besonders über Hinweise wie diese:

via rbb

HOAXmap – Enttarnte Propaganda

Falschmeldungen über angebliche Straftaten von Flüchtenden und Asylbewerber_innen werden nicht erst seit den jüngsten rechten Umtrieben gezielt gestreut. Warum das so ist und wie genau Strategien von Rechten im Netz aussehen, erläutert zum Beispiel die Amadeu Antonio Stiftung in ihren Publikationen wie „Liken. Teilen. Hetzen. Neonazi-Kampagnen in Sozialen Netzwerken“ oder „Viraler Hass: Rechtsextreme Kommunikationsstrategien im Web 2.0“.

Das neue Projekt „HOAXmap“ von @noaveragerobot geht einen Schritt weiter und nimmt ab sofort solche Falschmeldungen tagesaktuell auseinander und widerlegt sie anhand von Zeitungsberichten:

Die Hoaxmap ist aus dem Wunsch entstanden, eine Ordnung in die Vielzahl gestreuter Gerüchte zu bringen und die Dekonstruktion selbiger zu erleichtern.

Bullshit Blogging

Twitter macht momentan nicht mehr besonders viel Spaß. Die Timeline verwaist jeden Tag ein Stückchen mehr. Und tatsächlich sinkt die Zahl der täglichen verfassten Tweets kontinuierlich, auch wenn Twitter selbst die Korrektheit der Daten dementiert.

Auch Tumblr nervt irgendwie spätestens dann, wenn du zum 80sten Mal dieses Bild von Ryan Gosling oder die ewig gleichen, öden, lebensbejahenden Sonnenuntergangs-Fotos auf dem Dashboard hattest. Generation YouTube und Snapchat könnte meine Tochter sein, daher mache ich, was ich schon kann; kurze Infos ins Netz pusten.

Ich bin mir noch nicht ganz sicher, ob Bullshit Blogging für mich funktioniert, aber ich möchte es auf jeden Fall eine Weile ausprobieren. Mal gucken, in welche Richtung das dann geht. Statt Longreads alle 6 Monate gibt es hier also demnächst schnell Geteiltes. Schlimmer als Buzzfeed wird es schon nicht werden.

Ach nee, doch nicht.

Flüchtlingskrise 2015 – Ich war dabei

Johlende, klatschende Menschen stehen in Hamburg Spalier, als der „Train of Hope“ ankommt, live auf  Periscope mitgeschnitten. Eine BBC-Reporterin in München ruft den Flüchtenden „Welcome to Germany! How do you feel?“ zu, als kämen sie von einer Mars-Mission und nicht aus Krieg und zuletzt Verwahrung, als seien sie nicht auf einer sehr langen, anstrengenden und andauernden Flucht auf dem Weg zu: Mehr Verwahrung, Zwangsverteilungen oder Abschiebung.

„Am Hauptbahnhof in München, Gleis 26-36, wo eigentlich die Regionalzüge eintrudeln, warten etwa 150 Menschen hinter Absperrgittern. Sie stehen da wie Fans, die einen Popstar oder einen Fußballclub herbeisehnen.“  „Freude schöner Götterfunken“, taz 

Ähnliche Szenen finden auch in Frankfurt statt, von einer „epischen Reise“ ist die Rede.

Die Flüchtenden werden mit frenetischem Jubel und Wohlstandsmüll überschüttet, bekommen Pappteller mit Bonbons entgegen gestreckt, Decken und Pullis übergeworfen, als kämen sie aus dem Boxring, obendrauf gepackt werden acht Plüschtiere, persönlich übergeben von deutschen Kleinkindern, die hier noch etwas lernen können. Vielleicht, dass die paar Hundert, die zufällig die „Tage des offenen Korridors“ erwischt haben und nicht schon im Krieg, im Mittelmeer oder in LKWs gestorben sind, jetzt von guten Deutschen befreit und gerettet wurden? Schon wird danach gerufen, „Syrien zu bombadieren“, im Rahmen der „Fluchtursachenbekämpfung“ und im Namen von Aylan Kurdi.

Flucht und die Flüchtenden werden romantisiert, eventisiert, instrumentalisiert, fotografiert und monetarisiert. Objekte, an denen die eigene Größe oder „soziale Ader“ bewiesen werden kann. Über all das gemeinschaftliche Gemenschel und das patriotische Spätsommermärchen wird gern ignoriert, dass jedes Festivals oder Fußballspiel einen größeren logistischen Aufwand erfordert, als einige tausend Menschen institutionell und angemessen zu versorgen.

Lächle, als hätte niemand dein Haus in die Luft gejagt

 

„Ein Lächeln ist Dank genug!“ informieren die engagierten Helfenden so ungefragt wie bereitwillig über ihre Motive. Lächle, als hätte niemand dein Haus in die Luft gejagt und deine Mutter getötet. Als gäbe es keinen ISIS, keinen Assad, keine militärisch bewachten Grenzzäune, keine Festung Europa, kein Frontex, kein Massengrab im Mittelmeer,  keine überfüllten Lager und Camps, keine Genitaluntersuchungen an Minderjährigen, keine rechten Anschläge und gezielte Re-Traumatisierungen, keine besorgten Bürger, kein Kaltland, kein „Dunkeldeutschland“, keinen Rassismus, keine Ausbeutung und Armut, keine Waffenlieferungen, kein kapitalistisches oder staatliches Kalkül, keine Mitverantwortung.

Das Bild von unkontrollierten, bedürftigen Massen und einer gigantischen Herausforderung, die jedoch gemeinsam als „starke Zivilgesellschaft gestemmt“ werden kann, manifestiert sich in einer bizarren Euphorie und „Hoffnung“, die beschworen wird, denn, so zeigt sich aktuell ja „Wir (Deutschen) sind doch gar nicht so.“, oder auch: „Es gibt sie noch, die Guten.“.

 Es lebt diese Hilfe bei allem Mitleid von der Gleichgültigkeit gegenüber diesem Status. Sie rechnet es sich hoch an, im Flüchtling auch den Menschen zu sehen und affirmiert damit den Zustand seiner institutionalisierten Hilfsbedürftigkeit“- „Politiker fordern eine „Willkommenskultur“ für Menschen, die sie massenhaft abschieben wollen. Wie das?“ – GegenRede, Freerk Huisken

Auch bleibt die langjährige Arbeit von antifaschistischen Aktivist_innen, (ehemaligen) Refugees, Non Citizen, People of Color unerwähnt und ungezeigt. Dabei sind es jene, die beispielsweise in Düsseldorf oder Heidenau Nazis in ihre Schranken verweisen und tragfähige Strukturen schaffen, die auch in den nächsten Monaten und Jahren noch nichtstaatliche Unterstützung und Schutz für Refugees gewährleisten, wenn es kalt in Deutschland wird und niemand mehr Luftballons aufbläst und klatscht.

Brave Miss World

Auf Netflix gibt es die Dokumentation „Brave Miss World“ jetzt neu mit deutschen Untertiteln und ich habe sie mir am Wochenende angesehen.

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TW: r*pe
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Die Menschen mögen Märchen

Die Menschen mögen Märchen. Deshalb freuen sie sich gerade einen Ast über Spreadshirt, einen Print-on-Demand-Anbieter für Textilien, der angeblich klare Kante gegen Pegida und Rechts zeigt.

Quelle: Facebook

Twitter freut sich. Auch die antirassistische Initiative „BILD“ applaudiert:

Klarer hätte man wohl nicht „Nein“ zu Rassismus sagen können! Die Leipziger Online-Händler „Spreadshirt“ bügelte jetzt eine Kundin ab, die sich ein „Pegida“-Shirt bestellt hatte.

Dass die ethischen Standards oder Inhaltskontrollen bei Spreadshirt so hoch nicht sein können, zeigt schon eine punktuelle Recherche. Spreadshirt verdient Geld mit nationalistischen Prints. Kein Applaus für Scheiße.

(Quelle)

 

Vielleicht führen die Vorschusslorbeeren ja dazu, dass sich das Unternehmen am Kompass ihrer Mitarbeiterin Michaela orientiert und künftig tatsächlich diese klare Kante fährt. Wahrscheinlicher ist jedoch, dass es bei Stichproben bleibt.

Update

Wie Michaela von Spreadshirt mir eben per E-Mail mitteilte, handelte es sich nicht um eine Guerilla-Marketingaktion, sondern um einen echten, alltäglichen Kundendialog.

I do not hate Skyler White

Content Note: Artikel enthält Spoiler, thematisiert verschiedene Gewaltformen, auch sexualisierte Gewalt. 

Wie immer einige Jahre zu spät für heiße, popkulturelle Themen, habe ich erst kürzlich die Serie „Breaking Bad“ abgeschlossen.Das hat den Vorteil, dass es bereits ein eingespieltes Fandom gibt, das zeigt, wieviel eine Serie wirklich taugt. Innerhalb dieses Fandom sind sich alle einig: Egomane, Schulkinder mordende Crystal-Köche: Supercool. Ehefrauen, die versuchen, in diesem Fahrwasser klarzukommen: Superuncool.
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