Consent Culture – Clarified

Durch einen Blogpost von Josefine, in dem es um Feministen geht, die das Prinzip Consent Culture missachten und übertreten, wurde in den letzten Tagen die Debatte rund um das Thema richtig entfacht. Consent Culture – das klingt nach einem hübschen, fluffigen und sogar simplen Konzept. Trotzdem kochten gestern die Emotionen hoch – die Debatte bewegte sich fast ausschließlich rund um den Aspekt „konsentuale Begrüßungen“.

Darf ich jetzt niemanden mehr umarmen, ohne dass ich automatisch übergriffig bin? Ich denke, die Debatte fokussierte diesen Punkt deshalb so stark, weil einige LeserInnen von Josefines Post gemerkt haben – Oops, ich bin oder war schon mal GrenzüberschreiterIn. Das ist nicht angenehm. Erst recht nicht, wenn ich das Konsent-Konzept eigentlich total begrüßenswert finde.

Folgende Punkte tauchten gestern in meiner Timeline mehr als einmal auf:

1.Wie sieht eine angemessene, konsentuale Begrüßung aus?
2. Nein-sagen können und dürfen
3. Eigene Bedürfnisse & die Angst vor Näheverlust
4. Empathie und Körpersprache

1. Wie sieht eine angemessene, konsentuale Begrüßung aus?
Vorneweg: Konsent wird individuell gelebt und ausgehandelt. Wenn du deine FreundIn immer mit einer Umarmung begrüßt, gehst du davon aus, dass darüber Konsens herrscht. Du weißt es aber nicht. In dem Fall können beispielsweise ausgebreitete Arme und ein fragendes Gesicht die Sache klären. Bei Menschen, zu denen du mehr Distanz hast, kann diese Geste bereits übergriffig, weil druckerzeugend sein. Sie impliziert eine Erwartungshaltung.

Am einfachsten finde ich dabei eine kurze Frage: „Möchtest du umarmt werden?“ „Kann ich dich umarmen?“ „Hug?“ und ähnliches. Nun habe ich dazu gestern Dinge gehört wie:
„Das ist total awkward, kein Mensch fragt sowas, dann lasse ich das lieber gleich.“ Ohne ausprobiert zu haben, ob und wie das Konzept „verbale Aushandlung“ für dich funktioniert , aus „Angst vor Awkwardness“, ist nicht der richtige Weg. Ja, das ist ein Schatten, der zu überspringen ist. Und das ist vielleicht erst mal unangenehm. Als ich das erste Mal gefragt wurde, fand ich das auch ein bisschen awkward. Ich rechne damit, dass ich diese Umarmung einfach „mitmachen muss“ und sehe da gar keine Alternative.
Beim zweiten Mal hab ich mich schon gefreut. Und beim dritten Mal war es völlig selbstverständlich. „Ja“ sagen zu können ist schön und die konsentuale Umarmung umso mehr.

Ganz wichtig: Grenzen sind individuell. Du findest eine Umarmung okay oder wirst gerne umarmt. Für andere Menschen ist das vielleicht völlig anders. Für sie stellt eine Umarmung Grenzübertritt da – so als würde dich jemand ungefragt auf den Mund küssen. Überleg dir mal: Wieso muss ich bei einer Begrüßung zwangsweise eine Berührung inkludieren? Sei es ein Wangenkuss, Händeschütteln oder eben eine kurze Umarmung. Übe ich das so aus, weil es Etikette ist, weil ich persönlich Nähe suche oder weil ich mich verbunden zeigen möchte? Kann ich darauf im Zweifelsfall einfach verzichten?

2. Nein-sagen können und dürfen
Nein sagen ist schwer. Besonders, wenn ich mich grade akut bedrängt fühle. Ich kann nicht darauf vertrauen, dass jede_r weiß, wie meine Körpersprache zu deuten ist. Ich sollte aber darauf vertrauen können, dass jede_r im Zweifelsfalle fragt, ob das so okay für mich ist. Auch Dinge wie „das machen wir immer so, deshalb rechne ich damit, dass ich dich ungefragt umarmen darf“ sind mitunter problematisch.Das Ding ist: Nein-sagen ist keine Bringschuld. Ein „Ja“ einzuholen ist die Holschuld desjenigen, der Körperkontakt initiieren möchte.

Ab und zu kommt es mal vor, dass du an jemanden gerätst, der solche Dinge nicht verhandeln will und Dinge sagt wie “Ich hätte gewollt, bevor du mit deiner Frage die Stimmung verdorben hast.” Dann lass das bei dieser Person eben mit dem Sex. Ihr Problem. An der Stelle stellst du das Prinzip “Zustimmung ist mir wichtig” über das Prinzip “hab unter allen Umständen Sex!”.

3. Eigene Bedürfnisse & die Angst vor Näheverlust
Oft habe ich gestern gelesen: Darf ich jetzt niemanden mehr umarmen? Ich werde gerne umarmt! Ich will nicht gefragt werden, ob ich umarmt werden darf! Wenn wir jetzt nicht mal mehr umarmen dürfen, geht uns Nähe verloren!
Es geht nicht um dich! Natürlich haben deine Bedürfnisse und Wünsche ihre Berechtigung und sollen ihren Raum haben. Sie zu kommunizieren ist ein guter Anfang. Hier geht es aber vielmehr darum: Was wünscht sich dein Gegenüber? Wo verortet sie_er Grenzen? Konsent nimmt dir nichts weg. Im Zweifelsfall zurück zu stecken und zu verzichten sollte im Rahmen eines achtsamen und respektvollen Umgangs miteinander selbstverständlich sein. Eigentlich ist es nicht viel mehr, als zu fragen „Kann ich eben deinen Tacker benutzen?“. Du würdest den Tacker deiner_s KollegIn nicht einfach so nehmen. Wenn die Antwort lautet „Ich brauche den grade selbst.“, wirst du kaum in ewiger Angst davor leben, diese Unterlagen nie im Leben zusammentackern zu können. Kommunikation ist in dem Fall wesentlich – sie nimmt dir nichts weg. Kommunikation begünstigt Nähe.

„Erinnere dich daran, dass nach Konsens zu fragen nicht bedeutet, jemanden zu der Entscheidung bringt, mit dir Sex/Körperkontakt zu haben. Diese Entscheidung wird getroffen, so oder so. Nach Konsens zu fragen bedeutet nur, dass du wissen möchtest, wie diese Entscheidung aussieht.“

4. Empathie und Körpersprache
Du hälst dich für sehr empathisch und meinst, Signale immer richtig deuten zu können. Oder du hast das Gefühl, der totale Nub zu sein, und mit Körpersprache gar nichts anfangen zu können. In beiden Fällen gilt: Du kannst falsch liegen. Natürlich kannst du bei Menschen, die dir nahe sind, besser „ablesen“, was gerade Sache ist. Bei manchen Menschen bist du dir sicher, dass du nicht übertrittig gegen sie werden wirst oder sie gegen dich. Aber: Du kannst falsch liegen. „Fragen kostet nichts“. Wieso soll das in sexuellem oder körperkontaktbezogenem Kontext anders sein? Fragen killt die Stimmung? Wie sehr die Stimmung killt, wenn Grenzen überschritten wurden, brauche ich nicht ausführen. Ein „Ja“ ist schön.

Konsent aktiv leben ist eigentlich total simpel. Und gleichzeitig manchmal unheimlich schwer. Und manchmal sogar verunsichernd. Mit albernen und vielleicht awkwarden Situationen gemeinsam auf einer humorvollen und entspannten Basis umgehen zu können, ist nicht nur im Themenfeld „Consent Culture und Körperkontakt“ erstrebenswert.

16 thoughts on Consent Culture – Clarified

  1. Nein. Auch Fragen ist nicht magisch Consent-Culture. Ein Frage impliziert etwas. Ein Frage erzeugt Druck. Ein Frage drängt in eine Richtung. Nur weil du gefragt hast, Consent anzunehmen, ist ein einfacher und fauler Ausweg der auf einem idealen Menschenbild fußt, das es in der Realität nicht gibt.

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  2. Au ja:
    „Darf ich Dich umarmen?“
    „ja klar“
    „Darf ich Dich auch küssen?“
    „ja klar“
    „Und Deine Brust anfassen?“
    „ja klar“
    „Und Dich über den Rücken streicheln?“
    „ja klar“
    „und …?“

    Erscheint mir eine echt erotische Stimmung zu erzeugen 😉

    Warum reicht es nicht aus davon auszugehen das man sich non-verbal versteht und falls es dabei mal zu einem Missverständnis kommt klar zu sagen „Hey, das mag ich jetzt nicht / das ist mir zu viel / …“?

    Beim nächsten Mal weiss man dann schon besser was bei dieser Person gewünscht ist und versteht die non-verbalen Signale der Person besser und alles wird einfacher.

    Nein sagen wenn einem etwas nicht passt sollte jeder können und wenn nicht das unbedingt lernen! Und mehr als alles immer komplizierter und stimmungstötender und distanzierter zu machen sollte man Menschen die das nicht können dazu ermutigen und ihnen sagen das sie das Recht dazu haben Nein zu sagen wenn ihnen etwas nicht passt und ganz und vor allem wenn sie sich bedrängt und / oder unwohl fühlen.

    Nein sagen ist keine wie auch immer geartete Schuld sondern ein Recht das jeder immer und in jeder Situation hat und wahrnehmen sollte. Dieses Recht wahrnehmen zu lernen hilft einem dann auch in anderen Situationen als nur der ungewollten Umarmung.

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    1. Mit relativ fremden Menschen ist ein Ausgehen davon, dass man sich non-verbal versteht gerade bei körperlichen Dingen ein sehr hohes Risiko. Wie soll das auch gehen, wenn man sich oft noch nicht mal verbal richtig versteht? So naiv bin nicht einmal ich. Niemand kann Gedankenlesen, und nicht jeder verfügt über das gleiche Maß an Empathie und Blick für Körpersprache (oder bildet sich nur ein, das zu tun).

      Dass Nein-sagen-können eine sehr nützliche und notwendige Fähigkeit für eine selbstbestimmte Existenz ist, stimmt, ist aber eine Binsenweisheit. Dass es bei jedem so sein *sollte* heißt nämlich noch lange nicht, dass es bei jedem so *ist*. Und hilft auch kein Stück in Situationen, wo jemand ein Nein mal eben als Vielleicht oder Ja interpretiert, was leider so überhaupt gar nicht selten vorkommt.

      Aber naja, ist eh so ein beliebter Scheinwiderspruch, dass das Stärken des Einzelnen einer generellen Rücksichtnahme aller entgegenstehen soll. Beides, herrgottnochmal! Relativiert denn mein Wunsch, dass jemand nein sagen können soll denn in irgendeiner Weise meine Verantwortung, mich der Zustimmung zu vergewissern anstatt einfach von ihr auszugehen? Das geht doch auch proaktiv: „Sag bitte, wenn ich zu frech werde“ / „och, werd ruhig etwas frecher“…meine Güte, wie schwer ist das bitte?

      Mir ist auch nicht ganz klar, woher immer dieses ‚Dann wird ja alles zerredet, wie unerotisch!‘-Argument kommt. Konsens geht in knapp, sogar in witzig, man mag es kaum glauben!
      Wer aber (aus irgendwelchen mir nicht begreiflichen Hemmungen heraus) lieber nix sagt und sich den Vermutungen hingibt, dass das alles schon genau so gewollt wird wie man es selbst gern hätte – der handelt mindestens fahrlässig.

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      1. Es geht ja auch nicht darum gleich mit der Tür ins Haus zu fallen. Ein bisschen Höflichkeit und Rücksicht sollte schon auch jeder bieten, da sind wir uns glaub einig.

        Aber wie ist das wenn jemand nicht proaktiv auffordert „Sag mir bitte wenn ich zu frech werde“? Lässt man es dann einfach geschehen und jammert danach dann darüber wie schlimm doch die Welt ist und was einem da schon wieder übles passiert ist?

        Die zwischenmenschliche Kommunikation ist nunmal sehr komplex, auch da kann ich Dir nur voll und ganz zustimmen.
        Vor allem seit es keine allgemein anerkannten Regeln mehr gibt hat die Komplexität stark zugenommen. Was in der einen Gruppe erwartet wird (BussiBussi) ist in der nächsten Gruppe eine Grenzverletzung.

        Was ich in dieser ganze Diskussion einfach sehe ist das Menschen, die nicht in der Lage sind von sich aus Nein zu sagen, in ihrer Opferrolle noch bestätigt werden („Das ist ja so schlimm was Dir da passiert“).

        Und das halte ich für ausgesprochen kontraproduktiv.

        Man muss solchen Menschen sagen das es ihr Recht ist Nein zu sagen. Nicht eine Bringschuld die von ihnen erwartet wird sondern ihr absolutes Recht um ihre Grenzen zu schützen. In jeder Situation und immer.
        Man muss sie darin bestärken dieses Recht wahrzunehmen und sich nicht aus falsch verstandener Höflichkeit / Rücksichtnahme mehr gefallen zu lassen als sie sich gefallen lassen wollen nur weil der andere nicht vorher nachgefragt hat ob das ok so ist.

        „Ich wollte ihn nicht verletzen“ hört man so oft …. und lässt sich dann selbst verletzen?

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    2. Fragen kann furchtbar sexy sein. Ich verstehe immer nicht, wie das die Stimmung zerstören soll. Finde „Darf ich…“ allerdings nicht die ideale Formulierun. „Willst du…“ ist viel schöner wenn die Antwort dann „Ja“ lautet. Wie kann es die Stimmung töten, wenn mensch genau weiß, dass der/die PatnerIn die Handlung nicht nur akzeptiert sondern genießt und will?

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      1. Noch mehr Sexy ist „Ja, das gefällt mir, fass mich da an, mach so weiter“.
        Am meisten sexy ist eine Mischung aus beidem.

        Jede(r) hat das Recht zu äussern was ihm/ihr gefällt und er/sie will und auch was ihm/ihr missfällt und er/sie nicht will.

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  3. Ich weiß nicht, ob die Trennung zwischen verbal/non-verbal hier zielführend ist. Du schreibst „Bei Menschen, zu denen du mehr Distanz hast, kann diese Geste bereits übergriffig, weil druckerzeugend sein. Sie impliziert eine Erwartungshaltung.“ . Das ist natürlich, wie oben schon ein Kommentator angemerkt hat, bei einer Frage nicht anders. Zumal es für viele Leute leichter ist, einen Schritt zurückzumachen oder Auszuweichen (nonverbales Nein) als Nein zu sagen. Andersherum: Auch ein Ja ist nicht zwingend ein Freibrief. Eine erwiederte körperliche Annäherung schon. Wichtig ist letztlich, dass die Atmosphäre ungezwungen ist und der Raum für ein Nein da ist.

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  4. Erstens ist es denke ich nicht halb so tragisch kein Bussi zu bekommen als ein ungewolltes reingedrückt zu kriegen. Und wenn jemand, der unsicher über Zustimmung ist NICHT proaktiv nachfragt, ist auf der Seite schon mal fail. Dabei ist völlig egal erst mal ob dann ein nein kommt oder nicht!

    Mag ja seltsam klingen, aber hier noch mal in aller Deutlichkeit: Das Anliegen, Menschen zu stärken und ‚Opferrollen‘ aufzuheben ist völlig unabhängig zu sehen von der verdammten Pflicht zu einem Minimum an rücksichtsvollem Verhalten. Und völlig unabhängig heißt: Das eine lässt sich nicht über das andere re relativieren, und darum ist „warum sagt sie nicht nein“ keine sinnvolle Kritik an der Selbstverständlichkeit, Zustimmung zu suchen statt sie per default vorauszusetzen.

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    1. Erstens geht es nicht darum was tragisch ist. Es geht darum das man sich in unterschiedlichen Kreisen bewegt, nicht schnell genug umschaltet, sich im Eifer des Gefechts nach den „falschen“ Regeln richtet etc. usw.

      Klingt nicht seltsam.
      Mit Aussagen wie „Nein sagen ist keine Bringschuld sondern ein Ja einzuholen ist eine Holschuld“ setzt man aber eine Erwartung in die Welt die nicht immer eingelöst werden wird und jemand der dieses Verhalten erwartet aber nicht bekommt sieht sich automatisch als schlecht behandelt und somit als Opfer (Opferrolle bestätigt).

      Unabhängig davon das man Menschen durchaus zu mehr Rücksicht auffordern kann darf und sollte sollte man aber keinesfalls Menschen erzählen das sie etwas erwarten können das sie in der realen Welt nicht erwarten können anstatt ihnen zu erzählen was in dieser realen Welt ihr gutes Recht ist.

      Die Menschen sind nicht alle nett und höflich und rücksichtsvoll und halten sich an irgendwelche Wunschvorstellungen die in irgendwelchen Blogs irgendwo im Netz stehen.

      Von dem her: Seit so rücksichtsvoll wie möglich, fragt möglichst nach wenn ihr denkt jemand fühlt sich unsicher und sagt NEIN wenn ihr etwas nicht wollt weil Nein zu sagen ist nichts verwerfliches und schlechtes sondern das gute Recht eines jedem!

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      1. Wir drehn uns im Kreis. Ich sag die ganze Zeit, dass „warum fragt er nicht“ und „warum sagt sie nicht nein“ voneinander unabhängige Probleme sind, die beide Beachtung verdienen. Ändert für mich aber nichts am grundsätzlichen Versagen von jemandem, der sich nicht sicher ist und dann erst mal von Zustimmung ausgeht, oder, das weit häufiger behandelte Problem: Jemand, der mehrere „Neins“ einfach ignoriert oder nicht ernstnimmt. Und um *dieses* Problem geht es hier und in Josefines Blogpost hauptsächlich.
        Und neiiin (nochmal), es geht auch nicht darum, irgendwem zu erzählen was er oder sie erwarten kann oder irgendwelche Opferrollen zu zementieren. Wenn dich primär sorgt, dass viele Menschen ihre Grenzen nicht klar aufzeigen können, aus welchen Hemmungen auch immer – bitte, das ist ein wichtiges Thema! Aber bietet eben *keinerlei* Kritikansatz für das, worum es hier geht.
        Aber nehmen wir einfach mal an, dass sowohl Frau x als auch Herr y sowohl rücksichtsvoll ihre Interessen als auch selbstbestimmt ihre Grenzen artikulieren können: Auch *dann* ist Zustimmung einholen eine verdammte Holschuld! Weil es aus meiner Sicht einfach blöde und vermeidbar ist, wenn Frau x überhaupt eine bereits verletzte Grenze mit „Lass das!“ markieren muss, weil sich Herr y da anscheinend was rausnimmt. Wenn du da anderer Meinung bist: Gern, aber ich diskutier da nicht mehr drüber.

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        1. Es sind eben keine voneinander unabhängigen Probleme sondern 2 Seiten ein und desselben Problems.

          Vor allem in Blogs, die mit Sicherheit mehr von Menschen gelesen werden die es aus der Sicht von Anna erleben, darf man meiner bescheidenen Meinung nach nicht nur die eine Seite des Problems betrachten sondern muss beide betrachten.

          Um das nochmal zu wiederholen weil man es nicht oft genug wiederholen kann: Nein zu sagen und das auch durchzusetzen ist keine Bringschuld sondern ein Recht.

          Klar ist es blöd wenn Frau x eine verletzte Grenze mit „Lass das!“ markieren muss. Aber Grenzen werden immer verletzt, selbst bei noch so gutem Willen des Verletzers. Sei es der Alk, sei es der Hormonrausch, seien es die überschwenglichen Gefühle weil man sich gerade so freut, sei es das in einer Testosteronüberdosis schwimmende Hirn das alles andere ausschaltet, sei es das man das indirekte „Nein“ des anderen nicht richtig versteht …. es wird immer passieren, wieder und wieder und wieder und wieder und wieder.

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          1. „Aber Grenzen werden eben immer verletzt“ – dass es also Leute gibt und geben wird, die ihrer Holschuld nicht nachkommen ist ein Ansatz, diese Holschuld generell zu kritisieren? Nach dieser Logik haben auch Gesetze keinerlei Sinn, weil immer Gesetze gebrochen werden.

            Und wenn wir schon bei diesem Vergleich sind, und du anscheinend immer noch das Gefühl hast, die Kritik hier liefe ‚einseitig‘, nur weil sie einen Teilbereich beleuchtet: Würdest du denn das Erforschen der Entstehung von kriminellem Verhalten bei Individuuen als einseitig ablehnen, nur weil sie nicht auch das Verhalten der jeweiligen Opfer mit einbezieht?

            Dein Einwand erinnert mich einfach sehr stark an typische Einseitigkeitsvorwürfe gegenüber jedweder Verhaltenskritik (besonders feministische). Klar hängt am Ende alles irgendwie zusammen, aber ich *muss* überhaupt nichts. Es ist meine Entscheidung, auf welchen Teilbereich eines Problems ich fokussiere, und wer daraus eine einseitige, generelle ‚Schuldzuweisung‘ konstruiert, macht sich sein Problem selbst. Wie gesagt: Ganz unabhängig davon, ob Frau x nun ja oder nein oder gar nichts sagt – wenn Herr y erst gar keinen Versuch macht, Zustimmung einzuholen, liegt bereits dort ein Versagen vor.

            Und du kannst da über das Neinsagen noch so viel möglicherweise richtiges und wichtiges schreiben, daran wird sich dadurch einfach nichts ändern. Es ist und bleibt ein Scheinkonflikt, aus meiner Sicht.

  5. noch ein allerletztes mal, versprochen:
    Ich kritisiere nicht die Holschuld ich kritisiere das Nein-sagen als eine Bringschuld zu sehen die erwartet wird.
    Das ist ein Recht und keine Schuld.

    Natürlich darf jeder von einer Welt träumen in der sich alle lieb haben und nett zueinander sind und aufgeregte Blogposts schreiben wenn es mal nicht so ist und von der Welt fordern das sie sich ändert.

    Ich persönlich finde es wichtig nicht zu vergessen das es vollkommen ok ist zu sagen „Hey, Du Arsch, lass das bleiben“ und notfalls auf den Tisch zu hauen weil es muss nicht immer alles harmonisch sein.

    Das Problem hat nicht nur die Seite der übergriffigen (meist) Männer sondern auch die Seite der „Ich muss lieb und nett sein und dafür sorgen das alles harmonisch ist“ (meist) Frauen … und ich finde es wichtig Probleme immer von allen Seiten zu betrachten und sich nicht nur auf eine Seite zu versteifen.

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  6. Bei Hochsensibilität kann es auch vorkommen, dass man nicht so schnell merkt, was eine Grenzüberschreitung ist und daher nicht schnell und klar darauf reagiert. In diesem Fall kann die Übung helfen, so häufig wie möglich erst mal „nein“ zu sagen. Das „Nein“ später zu einem „Ja“ zu machen ist deutlich einfacher als umgekehrt, und im Laufe der Zeit lernt man so besser und schneller wahrzunehmen, wo die eigenen Grenzen sind, sodass ein voreiliges “Nein” überflüssig wird. Die Fähigkeit, nein zu sagen und Grenzen zu setzen, führt zu innerer Stabilität, die sich langfristig positiv auf die Beziehung zu anderen Menschen auswirkt.

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  7. Was ich mich frage, ist, wie das Ganze in normalen sozialen, nicht explizit sexuellen/romantischen Situationen funktionieren kann: ich erlebe es immer mal, dass Menschen meine Grenzen überschreiten, sich dabei aber innerhalb des üblichen Rahmens der jeweiligen Gruppe bewegen, z.B. durch Umarmen bei Begrüßen/Abschied, Berühren beim Nebeneinander-auf-der-Couch-Sitzen. Manchmal ist es eben so, dass ich solche Nähe mit einzelnen Menschen einer Gruppe nicht möchte. Wie kommuniziere ich das ohne gleich eine Szene zu machen? In einer solchen Situation wird ja gar nicht erwartet, dass jemand um größere Distanz bittet.

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