Rötel Riot

Eben habe ich mich auf Twitter gefragt:

Es geht mir nicht darum, den Sinn von Impfungen in Frage zu stellen.

Die Kombi-Impfung gegen Masern – Mumps – Röteln (MMR) (und mittlerweile auch Windpocken) wird zumeist schon in frühen Jahren gegeben. (Infos zu Impfungen
Sicherlich sind Zwangsimpfungen an Schulen, die ausschließlich Mädchen betreffen, weder Einzelfall noch die Regel. Aber sie kamen und kommen vor. Drei Punkte finde ich an dieser Praxis unmöglich:

1. Selbstbestimmung, Adultismus und Information

In der dritten Klasse wurden auf einmal alle Mädchen in einen dunklen Raum im Keller neben der Turnhalle gebracht um gegen Röteln geimpft zu werden. Einfach so, nach der großen Pause. Uns hat niemand gesagt, warum und wieso nur die Mädchen. Ich fand damals schon, dass Leute nicht einfach so Dinge mit mir und meinem Körper tun dürfen und habe mich gewehrt und geweigert. Zwei Mädchen sind nach der Impfung im Klassenzimmer umgekippt. Das war alles mehr als gruselig.

Es gab keinen Informationsbrief an die Eltern, keine Informationen für uns, sondern das wurde einfach so durchgeführt, „damit eure Babys gesund auf die Welt kommen“. Meine Mutter hat sich schrecklich aufgeregt und fand gut, dass ich mich gewehrt habe. Ein paar Jahre später sind wir gemeinsam zum Kinderarzt gegangen, der mich in seiner Praxis geimpft hat. Das durfte ich selbst entscheiden. Ich empfinde als wesentlich, Kindern auf Grundlage fundierter Informationen ein Selbstbestimmungsrecht über ihren Körper zu gewähren und sie ernst zu nehmen. [vgl. Adultismus]

 

2. Reproduktionsgedanke

So oder ähnlich wird die Impfung meist verargumentiert:

Alle Mädchen sollten sich gegen Röteln impfen lassen, damit sie im gebärfähigen Alter keine Rötelnembryopathie zu fürchten brauchen, wenn sie schwanger werden.

Heute werden an vielen Schulen alle Kinder gegen Röteln geimpft. Das ist ganz wesentlich, wenn es darum gehen soll, eine Krankheit auszurotten. Meistens werden aber nach wie vor nur Mädchen geimpft. Vor der Pubertät, damit sie und ihre Körper optimal auf ihre festgeschriebene und vordefinierte Rolle als Mutter vorbereitet werden.

Der Gedanke, der dem zugrunde liegt, objektifiziert Mädchen von klein auf. Es geht nicht um die „Volksgesundheit“ oder die Gesundheit der Mädchen – es geht allein um den zukünftigen Embryo. Dass Kinderkrankheiten (unter Umständen) besser ausgetragen werden sollten und eine Impfung in der zweiten oder dritten Klasse zumeist noch gar nicht notwendig ist, keine Voruntersuchungen stattfinden oder Antikörper getestet werden spricht dafür. Frauenkörper und Uteri scheinen der Gesellschaft zu gehören. So werden schon kleine Mädchen ihrem „natürlichen“ Zweck, der Reproduktion, zugeführt. Völlig unabhängig von ihren Bedürfnissen, Träumen, Zielen und Wünschen.

 

3. Schulisches Umfeld

Das schulische Umfeld muss sich dringend auch mit der Aufklärung zu gesundheitlichen Fragen befassen. Es ist aber nicht sein Zweck, auf die Körper der Kinder überzugreifen.

Ein Impfzwang, oder besser ein übergreifendes Angebot, für alle Kinder und alle wichtigen Impfungen kann diskutiert werden, Stichwort „Impfmüdigkeit“. Nichtsdestotrotz müssen alleine die Kinder und ihre Eltern entscheiden, ob, wann und wie geimpft wird. Es ist nicht die Aufgabe einer Bildungseinrichtung, korrektiv zu bevormunden. Schon alleine, weil bei „Fließband-Impfungen“ kaum Allergien, Unverträglichkeiten und Co. berücksichtigt werden. Viele Kinder haben außerdem Angst vor Spritzen – mit einer Bezugsperson kann die gemildert werden.

Mein Körper gehört mir. Egal, wie alt ich bin.

 

 

Ich habe kürzlich erst einen tollen Beitrag mit feministischer Perspektive zu den Impfungen gelesen, der mich stark inspiriert hat – ich finde ihn nicht mehr. Für Hinweise bin ich dankbar. 

18 thoughts on Rötel Riot

  1. „Dass Kinderkrankheiten besser ausgetragen werden sollten“ das ist zumindest umstritten. bei masern gibt es bei 1:1000 fällen immerhin ne hirnhautentzündung. und kranke kinder stecken ja auch erwachsenen an, bei denen die krankheiten sehr oft deutlich dramatischer verlaufen. insofern freut es mich, dass du einem allgemeinen impfzwang nicht völlig ablehnend gegenüber stehst. Selbstbestimmungsrecht über den Körper ist halt schwieriger, wenn es um verhalten geht, dass das lebensrisiko anderer menschen betrifft

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    1. jup, gerade masern sind arschgefährlich. die ratio 1:1000 bei komplikationen vs 1:100 000+ bei impfungen macht einen deutlichen unterschied

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    2. Kleine Ergänzung: Der Begriff ‚Kinderkrankheit‘ ist irreführend. Er bezieht sich darauf, dass vor allem Kinder von einer Krankheit betroffen sind (zumindest in irgendeiner Wahrnehmung, vgl. Kinderlähmung), nicht, dass die Krankheit ‚klein‘ und ‚harmlos‘ ist. Außerdem: Diese Denkweise, lieber erkranken als impfen ist so „Was dich nicht umbringt, macht dich stärker“-Style. Ist mir zu sehr Voodoo.

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  2. Ach, Zwiespalt…

    Vorweg: so wie es bei euch gelaufen ist, ist es tatsächlich nicht in Ordnung, ohne Zustimmung der Eltern könnte ich mir sogar vorstellen, dass da einige der Verantwortlichen sich durchaus der Körperverletzung strafbar gemacht haben, but I am not a lawyer…

    Grundsätzlich finde ich ein Impfung im Rahmen der Schule durchaus sinnvoll. So erreicht man (fast) alle (du haste Recht, warum eig. nur Mädchen?) Dennoch sind Dinge wie ein Antikörpertest, Einverständnis der Eltern usw. absolut notwendig. (Wenn ich mich recht erinnere gab es das bei uns an der Schule aber auch. Allerdings war ich aufgrund meines Geschlechtes nicht direkt betroffen, mir wurde nur meine damals überwiegend weibliche Clique IN DER PAUSE „entführt“, wenn ich mich recht erinnere 2x (Test und Impfung).

    Ein Problem habe ich allerdings mit der bedingungslosen Forderung nach körperlicher Selbstbestimmung von Kindern. Ja, man sollte ihnen soweit möglich alles erklären, was man mit ihnen vorhat. Ja, man sollte versuchen, sie von den Richtigen Dingen zu überzeugen. Aber gerade als Vater von kleinen Kindern hat man teilweise einfach nicht die Wahl, und muss einem Kind gegen dessen ausdrücklichen Willen die Zähne putzen, die Windel wechseln, die Jacke an- oder ausziehen, sie im Auto anschnallen usw. Es ist eine Gradwanderung. So werde ich meine im 20monatige Tochter nicht gegen ihren Willen küssen, sondern akzeptiere an der Stelle ein Nein.

    Diese Welt wäre in Schwarz-Weiß so viel einfacher…

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  3. Ich wollte schon sagen: „So ein Quatsch, die Kinder wurden und werden doch alle gegen MMR (Mumps, Masern, Röteln) durchgeimpft!“. Aber sieh an: In meinem Impfpass stehen nur Impfungen gegen Mumps und Masern (mit 23 Monaten), eine geplante MMR-Impfung mit 13 Jahren dagegen wurde nie gemacht. Sprich: Ich bin tatsächlich nicht gegen Röteln geimpft. Mal schauen, ob ich das wegen der Herdenimmunität ändern sollte. Ich hoffe übrigens auch, dass so Geschichten wie du sie erlebt hast Vergangenheit sind (das war schon damals alleine juristisch eine ganz schlechte Idee).

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  4. Hallo,

    ich finde es völlig richtig, dass du Dinge wie fehlendes Testen, Eingehen auf Allergien (sind zum Glück selten) und geschlechtsspezifische Impfungen ansprichst. Genau wie bei HPV sollten auch Jungs gegen Röteln geimpft werden.
    Und es sollte vorher festgestellt werden ob man nicht eh schon „leiser Träger“ war und immun ist.

    Ganz entschieden aber bin ich gegen „Kinderkrankheiten austragen ist besser“. Viele Krankheiten bergen ein Risiko schwerer zu werden, oftmals hat dies genetische Ursachen, es reicht eine kleine Eiweißmutation.
    Kindheit ist auch genau der kritische Punkt im Leben von Menschen, an dem Selektion in den letzten paar tausend Jahren angesetzt hat (und nicht etwa ein Risiko, gefressen zu werden, wenn man nicht daheim bleibt und das Internet erfindet).
    Vor allem im 1. Lebensjahr sterben Kinder am häufigsten an den Folgen von Infektionen kombiniert mit schwachem Immunsystem. Danach sinkt das Risiko, aber es bleibt so hoch wie nirgends später im Leben (. Man sieht am menschlichen Verhalten, Kinder stark zu beschützen und zu behüten, wie gefährlich diese Zeit ist.
    Geimpft wird gegen gefährliche Krankheiten, ohne zu wissen was man da tut, seit eh immer. (Brahmanen haben Kindern Schorf von überlebenden Pockenkranken in die Nase geschaufelt um sie zu immuniseren.)
    Und wer seine Kinder nicht impft, sondern krank werden lässt, macht sie zur Forschungsstation der Viren, die dann fröhlich per Selektion die nächste Generation entwickeln, die auch Geimpfte anstecken kann: Virus F2 hat im blödesten Fall eine stark veränderte Proteinstruktur und die Immunabwehr kennts nicht. (Siehe auch: „Antibiotika nicht durchnehmen“ für Bakterien)

    TL;DR: Bitte nicht propagieren, dass Kinderkrankheiten austragen besser als eine Impfung sei. Man kann sogar eine allergische Reaktion besser und schneller behandeln als Hirnhautentzündung.

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  5. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Sex, “Normalität” und Rötelimpfungen – die Blogschau

  6. Dass Kinderkrankheiten ausgestanden werden sollten, ist Blödsinn. Ich bin total bei dir, was den Grundtenor deines Posts betrifft, nur Mädels zu impfen ist natürlich eine Frechheit.

    Aber Kinderkrankheiten heißen nicht Kinderkrankheiten, weil sie so nett und harmlos sind und nur Kinder betreffen, die heißen Kinderkrankheiten, weil sie zum Zeitpunkt, als die Krankheiten erstmals beschrieben wurden, hauptsächlich Kinder befallen und eben auch umgebracht oder für ihr Leben geschädigt haben. So wie ein ein Kindermörder nicht Kindermörder heißt, weil er irgendeine harmlosere Art von Mörder ist, sondern weil er eben Kinder umbringt, entschuldige den etwas polemischen Vergleich.

    Es ist auch ein gut gehaltenes Gerücht, dass Kinder, die Kinderkrankheiten überstanden haben, gesünder sind als andere Kinder. Im Gegenteil, Statistiken belegen, dass Kinder, die es ohne Kinderkrankheiten durch die Kindheit geschafft haben, gesünder und stärker sind als Kinder, die ein oder mehrere Kinderkrankheiten hatten.Diese schwächen den Körper, zum Teil massiv.

    Und abgesehen davon find ich es schon aus Prinzip nicht lustig, Kinder vermeidbaren Schmerzen, Fieberschüben und wirklich lästigen Ausschlägen, etc auszusetzen. Ist ja nicht so, dass Röteln oder Masern besonders lustig wären. Das sind wirklich unangenehme Krankheiten, auch wenn mans gut übersteht.

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  7. ich bin der damaligen Massenimpfung (das war anfang der 90er, jungs wurden bei uns auch geimpft) in der Schule entkommen, da ich kurz davor röteln gekriegt hab…
    …in erinnerung ist mir aber eine szene vor ca. 3 jahren geblieben, da war ich beim einem vertretungsfrauenarzt (mein eigener frauenarzt hatte urlaub) wegen einer zyste. nach der untersuchung hat mich die sprechstundenhilfe geschnappt und wollte mir blut abnehmen, ich wußte nicht wozu, war eh schon in eile, und hab gefragt. „um zu sehen ob ihre rötelnimpfung noch okay ist“. ich hab dankend abgelehnt. „aber wenn sie schwanger werden, wollen sie doch, daß das kind gesund ist!“ ich hab ihr gesagt, daß ich nicht schwanger werde, das überhaupt nicht vor hätte und ich jetzt gehen würde. „aber wenn sie versehentlich doch schwanger werden, dann wollen sie doch, daß alles okay ist!!!“ ich hab ihr zigmal gesagt, daß kinder für mich kein thema sind und ich es nun schon sehr lange zeit geschafft habe, nicht schwanger zu werden und das auch in zukunft so beibehalten würde (warum hab ich mich eigentlich gerechtfertigt???). das war anscheinend unvorstellbar für die frau – kein witz, sie hat mich bestimmt 10 minuten lang bedrängt mit immer demselben „aber wenn dann doch das baby…“ blah; obwohl da zig leute schon nach mir warteten (ich wollte nur meine krankenkarte zurück und gehen!) und die köpfe schüttelten.
    merke: als frau langt es, gebärfähig zu sein, dann muß man sich nicht nur um den eigenen körper sorgen, sondern anscheinend immer die eventualität „gesundes baby“ im hinterkopf haben!
    was mich wiederum an den lehrer aus meiner schulzeit erinnert, der „drogenbeauftragter“ war und uns paar mädels beim rauchen auf dem schulgelände erwischt hatte und im anschließenden gespräch argumentierte, wir seien doch mädels und müßten besonders gut mit unserem körper umgehen, schließlich würden wir mal kinder kriegen (kein witz!)
    es ist doch zum ausrasten, wenn man immer wieder mit der haltung konfrontiert wird, man sei nichts anderes als eine potentielle brutstätte!

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    1. Vorweg: vollkommen unmögliches Verhalten, VOR ALLEM bei einer Frauenärtztin!
      Ein anderes Argument, das für eine Impfung spricht ist aber der Herdenschutz: Bei mir hat die Impfung zu keiner Immunität geführt, obwohl ich 3x geimpft wurde. Als ich schwanger war, musste ich dann damit leben, dass ich mich bei Menschen anstecken könnte, die sich ebenfalls ich impfen lassen konnten oder wollten. Genauso können sich sehr junge Kinder anstecken, die noch keine Impfung erhalten haben und ein besonders schwaches Immunsystem haben.
      Aus genau diesem Grund werden heutzutage auch Jungen geimpft: Man schützt nicht nur sich selbst, sondern auch alle Menschen, die man im Fall einer Erkrankung anstecken würde!

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  8. Um mal eine etwas andere Perspektive zu bringen:

    In Belgien wird jede_r geimpft. Gegen fast alles. Grundsätzlich. Durch die Schule.
    Bei den vorgeschriebenen Untersuchungen, die jede_r alle zwei Jahre über sich ergehen lassen muss. Das wird alles in einem großen Aufriss direkt aus der Schule heraus gemacht und ist Pflicht. Das läuft wie so eine Art „Schulausflug“ in ein Psycho-Medizinisch-Soziales Zentrum (eine spezielle Einrichtung für die Gesundheit und das Wohlbefinden der Jugend).
    Dabei wird unheimlich viel untersucht. Wer das dort nicht mag, darf das alles vorher bei seinem_r Ärzt_in machen lassen, aber machen lassen muss man es. Wer die Bescheinigung seines_r Ärzt_in nicht dabei hat, muss alles nochmal machen. Tighte Kontrolle halt. Lücken gibt es nur wenige. Selbst Abwesenheit wg. Krankheit schützt nicht, dann bekommt man einen Nachuntersuchungstermin.

    Ich kann mich an folgende Untersuchungen im Laufe der Jahre erinnern, bestimmt habe ich ein paar vergessen:
    Urinprobe, (manchmal auch Blutprobe wegen Antikörpern), Impfungen (unter anderem auch MMR für alle), Platt/Heb/Senk/Spreiz-Fußanalyse, Körperhaltung, wichtige Allergietests, Sehstärke, Hörvermögen, Daltonismus, Schielen, Sprachstörungen, Koordinationsvermögen, Feinmotorik, Geschlechtskrankheiten, Leberflecken, Balancevermögen, Entwicklung sekundärer und primärer Geschlechtsmerkmale, Blutdruck, Puls, Blutzuckerspiegel, Gewicht, Mangelerscheinungen, Missbrauchsschäden und so weiter und so fort.

    Ich erinnere mich daran, dass ich die Begutachtung der Geschlechtsorgane etwas unangenehm fand, aber rückblickend betrachtet bin ich sehr dankbar. Dadurch wurden in meinen Schulklassen wirklich viele Kleinigkeiten und auch manche ernstere Sache erkannt, als sie noch einfach zu behandeln waren. Und wir hatten immer alle Impfungen, waren ordentlich versorgt und mussten uns nicht darum kümmern. Ebensowenig unsere gestressten Eltern. Alleine die Warterei um so viele Untersuchungen bei einzelnen Ärzten machen zu lassen, was für ein Aufwand. Das kostet viel Zeit und Nerven. Und dann machen es verständlicherweise viele Eltern nicht.

    Soviel zur Lage in Belgien.

    Warum ausgerechnet die Eltern entscheiden sollten, ob Kinder geimpft werden, erschließt sich mir überhaupt nicht. Warum sollten Eltern ein Recht haben, dies zu entscheiden? Idealerweise sollten die Kinder entscheiden, aber das können sie nicht vollständig. Keine_r würde bestreiten, dass eine Keuchhustenimpfung sinnvoll ist, aber welches Kind entscheidet sich schon souverän und freiwillig für eine Impfung?
    Also muss das jemand anders machen. Aber wer? Eltern? Zwei Menschen, von denen das Kind sowieso sehr abhängig und denen es sehr oft sehr lange ausgeliefert ist? Die politisch kaum kontrolliert werden und noch dazu meistens keine Ahnung vom Fach haben?
    Dass die Allgemeinheit die Entscheidung übernimmt (durch die staatliche Impfverordnung, etc.) ist zwar keine perfekte Lösung, aber wenigstens sind dort viele Menschen und die Öffentlichkeit beteiligt und hoffentlich gucken sich alle gegenseitig auf die Finger.
    Es geht ja darum, die Freiheit und Unversehrtheit des unmündigen Kindes zu verteidigen. Und da sehe ich die Eltern als die strukturellen Hauptgegner_innen.

    Außerdem gibt es noch ein zweites Argument: Die Allgemeinheit hat auch ein Recht darauf, von anderen nicht unnötig angesteckt zu werden. Und falls dafür nur eine Impfung nötig ist, die kaum Nebenwirkungen enthält und den_die Geimpfte in ihrem_seinem Lebensweg nicht weiter einschränkt (Wenn man mal vom Durchleben der Krankheit absieht), warum soll die Gesellschaft das nicht verlangen können?

    Auf die Gebärfähigkeit reduziert zu werden ist nicht in Ordnung. Und auch Unsinn. Röteln sind ja auch ohne Schwangerschaft gefährlich und unangenehm. Auch für Jungen und Männer. Die Frage ist eigentlich, warum nicht einfach alle verpflichtend geimpft werden. Eure Geschichten mit dem „entführen“ und heimlichen Getue klingt nämlich danach, als würde sich die deutsche Gesellschaft darum drücken, klarzustellen, dass eine Kinderimpfentscheidung nicht Sache der Erziehungsberechtigten sein kann. Und als würde das medizinische Personal unter der Hand versuchen, zumindest die übelsten potentiellen Folgen dieser Feigheit zu vermeiden.

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  9. Hey, danke für den Artikel. Ich war damals das einzige Mädchen in meiner Klasse (bei uns war es in der 5. Klasse Gymnasium) die sich geweigert hat, die Impfung mitzumachen. Wir bekamen aber vorher Bescheid. Und ich habe gleich gefragt, wieso nur Mädchen. Und dann wurde mir das von meinen Eltern gesagt, dass das gar nicht mich betrifft, sondern eventuell spätere Kinder. Ich hab dann gefragt, ob ich das nicht später machen lassen kann, wenn ich weiss ob ich Kinder haben will oder nicht. Die Antwort war „ja“. Also hab ich angekündigt, ich mache das nicht mit. Ich empfand das als entwürdigend.

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  10. Erstmal Entschuldigung, dass ich auf Twitter über dich statt mit dir geredet habe. Ich spreche fast nie Menschen direkt an, die mir nicht folgen, weil ich nicht trollen möchte. Nun habe ich auf diesem Wege genau das getan. Meine Schuld.

    Ich finde deine Argumentation in Punkten 1 und 2 tatsächlich völlig nachvollziehbar. Ja, Kinder müssen mit Respekt behandelt werden und haben ein Recht auf Information, was mit ihnen geschieht und warum. Und ja, die Argumentation, nur Mädchen zu impfen, ist sexistisch. Wenn die Impfung sicher ist, spricht nichts dagegen, die Jungen und Mädchen zu geben. Wenn es etwas abzuwägen gibt, dann darf nicht davon ausgegangen werden, dass zukünftige mögliche Schwangerschaft entscheidend ist.

    Aber den Satz „Es ist aber nicht sein Zweck, auf die Körper der Kinder überzugreifen.“ finde ich schwierig. Kinder können in vielen Fällen nicht selbst entscheiden, was das beste für sie ist. Oder ein Schritt weiter: Auch wir Erwachsenen können das nicht immer. Es ist immer auch ein Stück Vertrauen in die Lehrer, Eltern, Wissenschaftler, das uns sicher macht, dass ein Eingriff in unseren Körper hier richtig ist. Deshalb ist der Satz „mein Körper gehört mir“ in diesem Zusammenhang schwierig, denn Kinder sind leicht beeinflussbar und lassen vieles mit sich machen, wenn Erwachsene ihr Vertrauen gewinnen. Gutes wie Schlechtes.

    Die Verantwortung, ob sie sich Impfen lassen oder nicht, können wir Kindern nicht überlassen. Die müssen Erwachsene für sie übernehmen. Durch ein Einverständnis der Kinder, das ich für wichtig halte, sind ihre Eltern und Lehrer nicht entlastet.

    Aber wenn ich nun, nach diesen Zeilen, deinen Text nochmal lese, finde ich nicht, dass du was anderes behauptet hättest. Also vermutlich bin ich im Unrecht.

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  11. Ist es nicht löblich, dass daran gedacht wird Mädchen gegen Röteln zu impfen ? Ich glaube nicht dass da ein „Reproduktionsgedanke“ dahinter steht,Gefürchtet ist eine Rötelninfektion während der Schwangerschaft, weil sie zu schweren Komplikationen (Rötelnembryofetopathie) mit ausgeprägten Fehlbildungen des Kindes und zu Fehlgeburten führen kann. Und ich glaube nicht dass ein Mädchen schon weiß ob es Kinder haben möchte oder nicht. Sogesehen ist es nur fair so eine komplikation wärend eine eventuellen Schwangerschaft auszuschließen oder ?

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  12. Ich wurde ebenfalls in der 4. Klasse gegen Röteln geimpft.

    Finde das auch Quatsch, dass da ein Unterschied zwischen den Geschlechtern gemacht wird – ansteckende Krankheiten gehen uns alle an.

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  13. Ich bin der Zwangsimpfung like a boss entkommen, weil ich kurz vorher Röteln bekam und die halbe Klasse angesteckt habe, ha!

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  14. Pingback: Du wärst eine tolle Mutter! | aufZehenspitzen

  15. unabhaengig vom Inhalt des gesagten:

    „Ein Impfzwang, oder besser ein übergreifendes Angebot, für alle Kinder und alle wichtigen Impfungen kann diskutiert werden, Stichwort “Impfmüdigkeit”. Nichtsdestotrotz müssen alleine die Kinder und ihre Eltern entscheiden, ob, wann und wie geimpft wird. “

    Der erste Satz steht in direktem gegensatz zum ‚ob‘ und in schwaecherer Form auch zum ‚wann und wie‘. Wenn man nicht als radikaler Impfgegener erscheinen will, obwohl man es ganz offenbar ist, entstehen solche Konstruktionen. Mich nervt das, weil das zeigt, dass Unlogik vor allem dazu da ist, wirkliche Haltungen zu verschleiern, unangreiWenn man gegen zwangsimpfungen ist: warum das dann nicht ohne Ambiguitaet formulieren?

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