There is no wrong way to be a feminist

Am 16.05.13 wurde das „Barbie Dreamhouse“ in Berlin eröffnet, ein überdimensionales begehbares Puppenhaus in pink mit „Erlebniswelten“ wie Rockstar oder Model, begehbaren Kleiderschränken, Barbie-Ausstellung uvm..

Zur Eröffnung protestierten vor Ort mehrere (feministische) Gruppen und Aktivist_innen. Warum der Protest gegen Barbie und die generelle „Pinkifizierung“ kritisch gesehen werden sollte, schreibt Charlott:

„Es werden durchweg Symbole und Dinge, die als “typisch weiblich” gelabelt sind, herabgesetzt.“

Unter den Protestgruppen bei der Eröffnung des Dreamhouse war Pinkstinks, die „eine Kampagne gegen Produkte, Werbeinhalte und Marketingstrategien, die Mädchen eine limitierende Geschlechterrolle zuweisen.“ ist, die Linksjugend [’solid], die im Vorfeld mit ihrem unmöglichen Flyer auffiel, und Femen, die mit „provokanten“ Protestformen immer wieder ins Klo greift.

Femen protestierte diesmal nicht nur barbusig, sondern außerdem mit einer Barbiepuppe, die an ein Kreuz genagelt und in Brand gesteckt wurde. (Foto) Welche Metapher die Gruppe damit genau bedienen wollte, weiß vermutlich nur Femen. accalmie bringt aber auf den Punkt, wie die Aktion gelesen werden kann: Hexenverbrennung, KKK-Ästhetik:

 

Pinkstinks veröffentlicht ein Statement, in dem sie die Femen-Aktion kritisierte. Und greift dabei nicht unwesentlich auf Sexismen zurück. Diese Aspekte habe ich mal herausgegriffen:

Und über diesen netten Interview-Marathon hätte die Presse sicherlich auch mehr berichtet, wenn nicht nach Schulschluss eine Femen-Aktivistin aufgetaucht und alles zerschossen hätte.

Welchen Bezug hat der Schulschluss? Es wird nicht darauf eingegangen, ob die Aktivistin eine Schülerin war, es wird aber impliziert und ist wohl abwertend zu sehen (unerwachsen, unerfahren => Adultismus).

Klara Martens tauchte als Barbie auf, entblößte ihre perfekten Brüste („Life in plastic is not fantastic!“) und hielt ein brennendes Kreuz hoch.

Wieso ist die Information relevant, dass ihre Brüste “perfekt” sind? Heißt “als Barbie auftauchen”, dass sie als “Barbie” verkleidet war oder ist es eine weitere wertende Äußerung ihres Äußeren?

Es wirkte hysterisch, bestimmt auch nicht ungruselig für die Kinder. Sie bekam ihre Fotos, wurde abgeführt, ein Mann übernahm das brennende Kreuz von ihr und wurde von Mitarbeitern des Barbiehauses überwältigt.

Hanhaiwen schreibt zu Hysterie „Ein Wort, das vom Altgriechischen hystera (ὑστἐρα) für Gebärmutter stammt. Und eine Krankheit bezeichnet, bei der Frauen die Gebärmutter in den Kopf wandert, wenn sie zu wenig Spermienzuführung durch heterosexuellen Sex haben. Der medizinische Begriff wurde 1952 begraben, das Konzept, schwierige Frauen mit dem Kampfbegriff für krank zu erklären, hat sich allerdings gehalten.“

Kann -eigentlich- als „feministisches Grundlagenwissen“ gewertet werden.

Auf ihrer Facebookseite sagen Femen, der Mann wäre von einer anderen Organisation gewesen – sehr freundlich, Femen. Mit „Organisation“ können ja nur Pinkstinks oder Occupy Barbie Dreamhouse-Gruppe der Linksjugend gemeint sein. Wir waren aber friedlich und artikuliert unterwegs, nicht randalierend.

Die Aktivistinnen von Femen können sich scheinbar nicht “artikulieren”, sind also nicht in der Lage, sich zu verständigen? Der eigene Protest ist dagegen nicht so „wild“ und total legitim.

Femen, kommt doch nächstes Mal mit. So ganz kollegial. Ihr dürft euch auch ausziehen.

Den Femen-Aktivistinnen wird hier ganz großmütig gestattet, ihre Protestform, die Selbstbestimmung über ihre Körper und Nacktheit beinhaltet, anzuwenden. Darf als anmaßend und von oben herab gelesen werden.

Für Femen habe ich, als einer der letzten, sogar noch nach Hakenkreuzen in der Davidstraße und „Anti-Zionism“ an der Klagemauer die Fahne hoch gehalten: Kürzlich sagte ich öffentlich, Fehler seien menschlich, ich würde sogar Femen jederzeit eine neue Chance geben, weil man doch einfach über Dinge sprechen sollte.

Hakenkreuze, Hitlergruß und Antisemitismus sind also okay, menschliche Fehler über die ja gesprochen werden kann. Den eigenen Protest “stören” und eine Barbie anzünden, da ist die Linie aber überschritten? Spielzeug verbrennen ist schlimmer als (ganz ähnliche) Nazisymbolik? Wegen den Kindern warats!

Die gehen jetzt unter in einem Bild, das – traditionell weiblich – hysterisch wirkt, aggressiv (brennende Barbie) und primitiv. Wir gönnen euch jedes Limelight, Femen, darum geht es nicht. Ihr habt diesen Protest nur echt kaputt gemacht, denn euer Auftritt hat das Bild, das wir gezeichnet haben, brutal zerrissen.

Oh wow. Die stereotypisieren sich ja selbst, die hysterischen Püppchen? Außerdem ist das unser Protest und ihr macht den kaputt.

Kritik auf allen Seiten und mehreren Ebenen ist angebracht. Aber antisexistisches Engagement, das mit Sexismus und/oder mehr als fragwürdiger Symbolik verteidigt wird, kann weg.

Feminism, you are doing it wrong.

5 thoughts on There is no wrong way to be a feminist

  1. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Blumen, Brüste, Bullshit – die Blogschau

  2. Ich finde den Text von Pinkstinks auch sehr überheblich.

    Der Kommentar vor mir ist völlig unverständlich. Da kann jemand nicht kommunizieren.

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  3. Lieber antiblog,

    Klara Martens ist 22. Also keine Schülerin. „Nach Schulschluss“, weil wütender Protest gegen Barbie nicht unser Ding ist, schon gar nicht vor Kindern. Wir betreiben kein femme-bashing. Dass Femen in der Herberstraße, Hakenkreuze und auch einige andere Aktionen inakzeptabel waren, haben wir wiederholt gesagt, nur waren wir der Meinung, man könne mit Femen reden, und dass alle Fehler machen (ja, auch wir!). Nach Barbie-Dreamhouse wussten auch wir, dass man mit ihnen nicht reden kann. Mit perfekten Brüsten kommt man in die Presse, und nimmt anderen die Chance, auch ohne Nudity gehört zu werden. Und nö, Femen artikulierte wirklich nicht, dazu stehen wir. Es gibt seit kurzem eine Webseite, aber bis dato stand auf facebook nur ominöse Kurzaussagen, das ist bekannt. Ja, wir haben wirklich keine Lust, in der Presse zu lesen, dass wir mit brennenden Barbies vor dem Barbiehaus rumgezetert haben (was natürlich geschah), und ja, das wirkt hysterisch, und das ist nicht unser Stil. Und natürlich wissen wir um die Genese des Begriffes Hysterie. Und wenn du mir ein alternatives Wort nennst, das Leser sofort verstehen können, kann ich es ja nächstes Mal benutzen, wie wär’s? Und – ruft doch einfach an, unsere Nummer steht im Netz. Dann könnte man ja ganz kollegial diskutieren, anstatt namenlos rumzupoltern. Am 1. September ist unsere große Demo gegen Sexismus in der Werbung auf dem Pariser Platz, ihr seid herzlich eingeladen, eure Form des Protestes vorzutragen. Und, guess what, den Pingback zu dieser Kritik stelle ich auch sehr gerne auf unsere Webseite, damit ein öffentliches Diskurs möglich ist.

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  4. Pingback: Pink stinkt nicht, ihr Lauchs! | Tea-riffic

  5. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Pink stinkt nicht, ihr Lauchs!

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