Die Tränen der neuen Väter

27% der Väter gehen in Elternzeit. Meist für maximal zwei Monate (77%). Trotzdem ist das ein echt großes Ding mit den Vätern und der Elternzeit. Was die 95% der Mütter machen, die in Elternzeit gehen, ist nicht so das große Ding.

Medial überschlägt sich alles, denn sie machen ja alles so richtig, die neuen Väter. Übernehmen Verantwortung fürs gemeinsame Kind, setzen ihre Karriere aufs Spiel, machen die Familie zu ihrem Projekt, retten die Gleichstellung, den Feminismus, machen vielleicht irgendwann mal Unternehmen von der Führungsetage aus familienfreundlicher, weil da ja schließlich vor allem Männer sitzen (sic!). “Endlich!”, höre ich es rufen.

Und dann werden sie dafür diskriminiert. Von der Gesellschaft, die superfies ist, von Feministinnen, die noch superfieser sind. Keine Kekse nur.. nun ja: Ein Einblick in die doofen Bemerkungen und Erfahrungen, die Mütter schon immer jeden Tag machen:
Wildfremde, die Schwangerschaftsbauch oder Kind antatschen, genau wissen, wo die Probleme in der Erziehung liegen, wie die Frisur aussehen sollte, dass das Pausenbrot nicht ausgewogen genug ist, welches Spielzeug und welche Kleidung angebracht ist, wann das nächste Kind kommen darf oder muss (…)

Keine_r sollte das hören müssen, dererlei Bewertungen und Einmischungen sind nicht okay, auch nicht Vätern gegenüber. Bloß: Diskriminierung ist das nicht.
Diskriminierung bedeutet, strukturell benachteiligt zu werden, ausgehend von unterschiedlichen Machtpositionen. Kein blöder Spruch von der blöden Mutter auf dem Spielplatz schafft die Machtverhältnisse im Patriarchat mal eben ab oder kehrt sie gar um. Der Wickeltisch in der Damentoilette ist kein Sexismus gegen Männer. Der Wickeltisch in der Damentoilette verweist Frauen auf ihren “natürlichen Platz”.

Diskriminierung ist anzunehmen, Frauen seien von Natur aus besser geeignet, Kinder aufzuziehen oder wüssten von alleine die richtige Windelgröße oder was gut für das Kind ist. Diskriminierung ist, dass Frauen fast immer noch den Großteil der anfallenden Hausarbeiten erledigen. Diskriminierung ist, dass Kindererziehung “Frauensache” und damit automatisch minderwertige Arbeit ist, die nicht mal als solche gilt. Diskriminierung ist, dass es zwar hunderte Blogs von Müttern und ihren Erfahrungen gibt, aber weinende Väter publiziert werden.

Gegen starre Rollenzuweisungen und Familienmodelle helfen keinen Tränen oder vier Monate mit Kinderwagen-Accessoire. Das Betonen der auch-mal-wahrgenommenen-Verantwortung, die Sehnsucht nach Keksen dafür oder “Sexismus gegen Männer von Müttern, die lieber unter sich blieben”-Konstrukte zementieren solche Bilder.

“Einfach weitermachen mit dem Kümmern.”

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Quellen/Sonstiges

Zum SZ Artikel:

http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/41051/Ein-schwerer-Stand

https://twitter.com/search?q=v%C3%A4ter&src=typd&f=realtime

http://memyselfandchild.wordpress.com/2013/11/12/muttermythos-vs-neue-vater-oder-can-i-get-a-little-love/

http://robinsurbanlifestories.wordpress.com/2013/11/11/die-tranen-der-vater/

http://aplusplusranting.wordpress.com/2013/11/11/132/

http://aplusplusranting.wordpress.com/2013/11/12/der-schwere-stand-der-privilegierten-ein-nachtrag/

http://www.asaekante.de/?p=431

http://astefanowitsch.tumblr.com/post/66665169379/die-leiden-der-jungen-vaeter

 

Zahlen & Fakten

https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2013/05/PD13_176_22922.html

http://www.zeitschrift-fuer-familienforschung.de/Hefte/heft2013-2.html

http://www.news4teachers.de/2013/10/forscher-elterngeld-kann-zu-kulturellen-veraenderungen-in-den-betrieben-fuehren/

http://www.bpb.de/gesellschaft/gender/frauen-in-deutschland/49411/unbezahlte-arbeit

http://www.iheartdigitallife.de/reproduktionsarbeit-vom-wieder-herstellen/

 

Linksammlung (feminist) Moms

http://memyselfandchild.wordpress.com/

http://feministmum.wordpress.com/

http://fuckermothers.wordpress.com/

http://alsmenschverkleidet.wordpress.com

http://www.gluecklichscheitern.wordpress.com

http://aufzehenspitzen.wordpress.com/

http://drmutti.wordpress.com

http://mutterseelenalleinerziehend.de/

http://unsichtbares.wordpress.com/

http://futblog.at/

http://literatier.wordpress.com/

 

Mehr spannende Links sind in den Blogs zu finden.

Herzlichen Dank für Gedanken, Anregungen und Mitgeschreibe an Maria3ks.

15 thoughts on Die Tränen der neuen Väter

  1. Zwei Kritikpunkte:

    1: ‚Strukturell‘ ist ein diffuser Begriff. Wer diskriminiert denn Frauen strukturell? Der Staat ist es nicht, denn dieser bedient sich institutionalisierter Gewalt. Die Gesellschaft durch ihre HERRschaftsstrukturen vielleicht?

    2: Dann müsste diese Gesellschaft einer polit- ökonomischen Logik folgen, derzufolge Frauen in einer subalternen Rolle zu bleiben haben um die Reproduktion aufrecht zu erhalten.
    Da aber im Rahmen der kapitalistischen Ökonomie und im Prozess der Proletarisierung, der Haushalts und Subsistenzsektor durch Einführung von Kleinstproduktionsmitteln wie Waschmaschinen rationalisiert und aufgelöst wird, desto weniger ist es nötig Frauen vom Arbeitsmarkt fernzuhalten.
    Es ist auch unsinnig, ökonomisch unvernünftig und historisch unzeitgemäß Frauen vom Arbeitsmarkt fernzuhalten, da in einer modernen Dienstleistungsgesellschaft ‚weibliche‘ Soft-skills gefragt sind.
    Letztendlich ist es dem Kapitalisten egal ob der auszubeuten Arbeitskraftbehälter männlich oder weiblich ist, solange er profit erwirtschaftet.

    Sollten das keine Gründe sein warum es Diskriminierung gibt, kann man ja immer noch annehmen, das Männer einfach böse sind und Frauen nicht richtig liebhaben und ihnen deshalb Geld und Karriere verweigern…

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  2. Ich kann hier nur halb zustimmen. Es gibt durchaus Frauen, die, wenn sie einen Mann allein mit Kind sehen, extra mißtrauisch sind, weil ein Mann das ja bestimmt nicht so gut kann, ihm fehlen ja die Mutterinstinkte, etc.
    Natürlich ist das nichts anderes als das überlieferte, „klassische“ Rollenbild, das diese Frauen und ein Großteil der Gesellschaft verinnerlicht haben. Das ändert ja aber nichts daran, dass Väter, die tatsächlich die volle Elternzeit nehmen möchten, Schwierigkeiten bekommmen, wie das bei Müttern nicht der Fall ist. Nur liegt das nicht etwa an irgendwelchen bösen Feministinnen, sondern eben ganz klar auch am Patriarchat.

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    1. “Nur liegt das nicht etwa an irgendwelchen bösen Feministinnen, sondern eben ganz klar auch am Patriarchat.”

      Es behauptet ja auch keiner, dass Feministinnen daran schuld wären. Nur, behaupten Feminstinnen, dass das Patriachat auch Männer verletzt und deshalb Feminismus auch im Interesse von Männer seien.

      Wenn Männer dann aber mal Punkte nennen, in denen sie Probleme haben, WEIL sie Männer sind und zum Beispiel der Rollenerwartung nicht gerecht werden, dann werden sie lächerlich gemacht. Es wird behauptet, sie weinen ja nur rum, ihre Schilderungen seien ja nur Einzefälle, oder komplett ausgedacht und wenn überhaupt, dann haben ja nur Frauen eigentlich die Probleme und die Männer sollen sich ja nicht so haben.

      Quasi den gleichen Scheiß, den sich auch Feministinnen anhören können. Im Anschluss wird sich dann darüber beklagt, dass so wenige Männer der Rollenkonvention trotzen müssen und sich nicht durch Feminismus vertreten fühlen.

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  3. „Der Wickeltisch in der Damentoilette ist kein Sexismus gegen Männer. Der Wickeltisch in der Damentoilette verweist Frauen auf ihren “natürlichen Platz”.“

    Schöner formuliert und klarer gemacht hab ich das, glaube ich, selten irgendwo gelesen. Danke.

    @DaO1nSidhe: „Das ändert ja aber nichts daran, dass Väter, die tatsächlich die volle Elternzeit nehmen möchten, Schwierigkeiten bekommmen, wie das bei Müttern nicht der Fall ist. Nur liegt das nicht etwa an irgendwelchen bösen Feministinnen, sondern eben ganz klar auch am Patriarchat.“

    Eben: Mütter haben nicht dieselben Schwierigkeiten, wenn Du so willst, weil die entstehenden Nachteile bei ihnen irgendwie dazugehören. „Ist halt so“, denkt sich so manche(r) bei der Frage nach Schwierigkeiten beim Wiedereinstieg etc.pp.

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  6. Gegen „Helikopter-Eltern“ (egal ob Mütter oder Väter) kommt man mit einem normalen, verantwortungsbewussten Erziehungsstil leider nicht an. Besonders, wenn sich „Frau“/ „Mann“ voll auf ihre Mutter- / Vaterrolle konzentriert und anderes damit kompensiert.

    Das es „Till“ in allen Bereichen so heftig erlebt hat, ist bedauerlich. Mir hätte es schon gereicht, wenn nicht aus der eigenen Familie „nur“ zwei Monate Kinder versorgen als unlösbare Aufgabe für mich tituliert worden wären.

    Klar: in den zwei Monaten lief nichts anderes. Aber es war lösbar und ich hab die Zeit sehr genossen. Elterngeld gab es nicht, weil meine Frau nicht arbeitete und in der Zeit auf Kur war.

    Fakt bleibt: egal, ob Vater, Mutter, dahergelaufene Kassierer_innen, Spielplatzbekanntschaften oder „Experten-Eltern“ – sie alle sollen sich kümmern. Vor allem um den eigenen Nachwuchs.

    Und wenn (vielleicht irgendwann) bei K3 noch mal Kindergärtner_innen oder Elternratsvorsitzende nach handwerklichem Geschick Ausschau halten und mir mitleidige Blicke zuwerfen, wenn ich sage, dass Werkzeug in meinen Händen meist kein gutes Ergebnis erzielt, dann blogge ich auch darüber. 😛

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  7. Sorry, aber dem kann ich nicht so recht folgen. Du schreibst ja ganz richtig:
    —-
    Diskriminierung ist anzunehmen, Frauen seien von Natur aus besser geeignet, Kinder aufzuziehen oder wüssten von alleine die richtige Windelgröße oder was gut für das Kind ist.
    —-
    Wenn man jemandem (Frauen) qua Geschlecht diese Kompetenz automatisch zuspricht, ist das Diskriminierung, richtig, sehe ich genauso. Wenn man sie jemanden qua Geschlecht NICHT zutraut (Männern) ganz genauso. Punkt.

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  13. 2 Monate Elternzeit und Rollentausch, naja. Ob diese Zeitspanne zu beruflichen Einschränkungen führt sei mal dahingestellt, denn es sind genau 2 Wochen mehr als der normale Jahresurlaub. Und genauso wird es normalerweise auch von anderen Mitarbeitern eher wahrgenommen, der Mann ist ein paar Wochen nicht da und dann kommt er wieder. Dass die Zeit mittlerweile öfters wahrgenommen wird, um die Chance zu haben eine lange Fernreise zu machen, hat dann mit Rollentausch mal überhaupt nichts mehr zu tun. Dass diese Zeit wiederum der Familienstruktur gut tut bezweifle ich nicht.

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