Von einer, die auszog

Alle, die mir eine Weile auf Twitter folgen wissen, dass feministische Thematik relativ neu in meinem Interessen-Portfolio ist.

Die Reaktionen darauf sind ganz unterschiedlich: Von Ignoranz über Belächelung bishin zu einem offenen Abgestoßensein, Infragestellung der „Aufrichtigkeit“ meiner Intentionen, Genervtheit oder Attention-Whoring-Vorwürfen ist alles dabei.

Weniger klar abgegrenzt ist das diffuse Allgemeinbild:
Dass ich mich mit Feminismus befasse, macht mich in der öffentlichen Wahrnehmung zu einem unnahbaren, humorlosen, verbohrten, biestigen und überempfindlichen Subjekt.
Bäm. Das muss eine erst mal fressen.

Abgesehen von Trollen, Maskulisten, offenen Anfeindungen und allerlei anderer Kackscheiße, die der Themenkomplex mit sich bringt, sind da Menschen, die mich schon eine Weile begleiten und mich plötzlich nur durch das Feminismus-Add-on völlig neu interpretieren.

Ich blicke zurück und erkenne, dass mir das in der Vergangenheit auch manchmal so ging: Diese Feminist*innen, irgendwelche strengen Superfrauen, die maßregeln und rumfauchen!
Allesamt mit Mission, mit klarer Linie, Anhänger*innen irgendwelcher Radikal-Theorien, die sie vehement verfechten. Muss ja irgendwie schräg sein. Und ey, wo bleibtn da die Lockerheit?

Und auf einmal fühle ich mich ähnlich bewertet und betrachtet. Einfach so. Obwohl ich der selbe Mensch bin, nur mit Bonus-Sensibilisierung. Und einer Prise Extrarage.

Nun kenne ich das “Ohje, was für eine fixe Idee ist das wieder?” auch von mir persönlich. Freund*innen, die unvermittelt frisch für ein Thema oder einen Menschen brennen sind anstrengend. Egal ob das Säuglinge, Philosophien, Bands oder Ideologien betrifft. Allein – die wenigsten davon sind radikal. Sie verlagern eben ihre Aufmerksamkeit, mitunter temporär, mitunter fix. Käme ich auf die Idee, ihnen grundlegend andere, neue Eigenschaften zuzuschreiben? Ich denke und hoffe doch nicht!

Immerhin: Das alles ist für mich ein Lehrstück bezüglich Ignoranz, Instant-Charakterisierungen sowie -Abwehrhaltungen, Beißreflexen, selektiver Wahrnehmung und Demut vor den Menschen, die den Scheiß seit Jahren tragen.

Ein Kommentar

  1. Schügge sagt:

    Die aggressive Rhetorik vulgo »Kackscheiße«-»Rumfauchen« hast Du ja schon gut übernommen: Allein, was soll damit gesagt sein?

    »Ich hab genau das Richtige getan, die ganzen Anfeindungen bestärken mich nur!«

    »Ich bewundere die (weiblichen (sex)) Feministen, was die alles tragen müssen!«

    Leider trägt diese von den ideologischen Mitstreitern sicher sofort nachvollzogene und geteilte Schilderung (?) des eigenen Befindens auch nur zum »diffusen Allgemeinbild« und der Anfeindung bei, die (glaube ich) ansatzweise sowas wie kritisiert werden soll.

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